Liebe Mitpilger,
manche Dinge im Leben wie zum Beispiel der Winterspeck sind sehr stabil. Andere wiederum sind überaus flüchtig. Dazu gehören gute Vorsätze. Aus diesem Grund erzähle ich euch heute von meiner Begegnung mit meinem inneren Schweinehund.
Ich hatte an diesem Samstag Mittag gerade einer schmackhaften Kartoffelsuppe Herberge in meinem Bauch gewährt. Sie füllte mich wohlig aus und wies mir den direkten Weg zum Sofa. Einladend nahm es mich auf und ich übte mich in der Schule der Hingabe. Meine Lieblingsdecke schmiegte sich geschmeidig an meinen Körper und flüsterte: „Nach dem Essen sollst Du ruhen.“ Diese Lebensweisheit ließ ich mir gefallen. Außerdem wollte ich Rücksicht auf meinen Magen nehmen. Wusste ich doch, dass der jetzt genug zu arbeiten hatte.
Da meldete sich die Vernunft und erinnerte mich an meinen Vorsatz: „Du wolltest doch heute walken gehen. Schau, wie die Sonne scheint. Und erst die herrlich frische Luft. Bedenke, Deine Faulheit hat Dich den zweiten Teil der Lebensweisheit vergessen lassen: „… oder tausend Schritte tun.“ Also hoch vom Sofa und ab auf die Piste!“
Tatsächlich, es gibt Momente, da ist die Demenz die Zwillingsschwester der Faulheit. Der zweite Teil war mir glatt entfallen. Doch mein innerer Schweinehund kam sofort aus seinem Versteck und umgarnte mich mit einem Appell an die Freiheit: „Du musst heute gar nichts!“ Dann tischte er mir einen wohlklingenden Kompromiss auf: „Du kannst auch noch morgen walken.“
Da platzte der Vernunft der Kragen: „Du Flasche, jetzt lass Dich nicht so hängen. Denke an deine Gesundheit!“ Die Selbstanklage war jedoch eine Steilvorlage für meinen Schweinehund: „Ja, du bist halt nicht so stark“, wamste er sich verständnisvoll an mein Herz.
Die Auseinandersetzung nahm an Fahrt auf bis mir bewusst wurde, dass es mit dem Dahindösen ohnehin vorbei war. Eine Entscheidung musste her. Da erinnerte ich mich an einen wichtigen Grundsatz der geistlichen Begleitung. Wenn du auf diesen inneren Dialog einsteigst, hast du verloren. Suche die Hilfe deines Herrn, entscheide und handle. Was soll ich sagen – das habe ich gemacht. Und siehe da, die Walkingrunde war wunderbar!
Jetzt sitze ich frisch geduscht am Kaffeetisch und ziehe mir einen Kuchen rein; natürlich mit Sahne!
Euer Mitpilger Volker