Liebe Mitpilger,
ich möchte jetzt nicht alle Herausforderungen unserer Zeit aufzählen. Aber ein wacher Blick in unsere Welt kostet Kraft. Dass das schon immer so war hilft nicht weiter. Wegschauen oder die Augen zu verschließen ist auch keine Option. In eine innere Welt zu flüchten ist verantwortungslos. Auch der Rückzug ins Private und das sich Sorgen um das eigene Wohl ist Heilsegoismus. Es bringt auch nichts einen Optimismus zu predigen, den man eigentlich gar nicht lebt. Er gleicht dem Pfeifen im Walde, das die Angst vertreiben soll, aber doch nur Selbstberuhigung ist.
Wie also bleiben wir zuversichtliche Menschen, obwohl Resignation und Wut immer wieder nach unserem Herzen greifen? Mir helfen dabei folgende Verse aus dem Psalm 37.
„Errege dich nicht über die Bösen, wegen der Übeltäter ereifere dich nicht!“
Es macht keinen Sinn, Wut und Zorn zu kultivieren. Natürlich ist das menschlich. Aber es ist auch der Sieg des Bösen. In diese Falle dürfen wir nicht tappen. Die Kraft, die in der Wut und im Zorn liegen, gebären nur neue Gewalt. Entweder gegen uns selbst, dann werden wir bitter. Oder gegenüber unserem Nächsten, dem Gnade dann Gott. Oft merken wir das gar nicht und sind ins Fahrwasser des Bösen geraten, ohne es zu wollen.
„Vertraue auf den Herrn und tu das Gute!“
Unsere Hoffnung sind nicht neue Ideen, neue Technologien, irgendwelche Organisationen oder menschliche Heilsbringer. Losgelöst von Gott gibt es keine wirklichen Lösungen. Deshalb setzen wir unser Vertrauen auf Gott. Das bedeutet nicht, nichts zu tun und darauf zu warten, dass die Lösungen vom Himmel fallen, sondern es bedeutet, das Gute zu tun. Wir sind aufgefordert, beständig Liebe zu säen. Auf Gott vertrauen und Liebe säen gehören zusammen. Und Gott führt uns im Tun. Damit werden Wut und Resignation verwandelt und die Kraft, die ihnen innewohnt, für das Reich Gottes eingesetzt, zum Wohl der Menschen.
„Sei still vor dem Herrn und harre auf ihn!“
Halte Verbindung zu Gott! Blinder Aktionismus ist nicht gefragt. Sei beharrlich im Gebet. Sorge für einen Ort der Stille, damit du die leise Stimme deines Gottes wahrnimmst. Lerne lauschen, wie ein verschütteter Bergmann, der auf die rettenden Klopfzeichen hört. Er ist ganz auf diesen Laut ausgerichtet. Seine ganze Existenz ist Ohr. Ohne Stille und Gebet gibt es keine Ausrichtung auf Gott.
„Zukunft hat der Mann des Friedens.“
Frieden ist die nachhaltigste Form der Zukunft. Doch du kannst der Welt nur den Frieden schenken, der in dir selber lebt. Deshalb lerne Frieden mit dir selbst zu halten. Dazu gehören Wahrhaftigkeit und Reue. Fehler und Schuld dürfen nicht verdrängt oder dem anderen in die Schuhe geschoben werden, sondern müssen ehrlich bekannt und bereut werden. Dann kann ich aus Fehlern lernen und Schuld verzeihen. So wächst Friede im eigenen Herzen.
All das üben wir in der Fastenzeit, um durch einen österlichen Blick mit dem Karfreitag in der Welt klar zu kommen.
Mit frohem Gruß Euer Mitpilger